Impfinger Weg - Grünsfelder Weg

Einer der unbekanntesten alten Wege auf Büschemer Gemarkung. Da heißt es aufmerken. Denn der Weg von Grünsfeld nach Impfingen, der Impfinger Weg aus Grünsfelder Sicht, der Grünsfelder Weg aus Impfinger Sicht, tangiert die Büschemer Gemarkung, führt aber nicht auf Büscheme zu. Nicht auf die Altstadt zu. Umgeht also Büscheme. Kein Wunder dass dieser Weg keine Rolle im Büschemer Bewußtsein mehr spielt. Aber der Weg klärt möglicherweise zwei wichtige Büschemer Rätsel. Das Kreuzigungsbild am Forstbuckel von 1666 (auch Judenbildstock genannt) und das Feldkreuz im Forstgrund. Der Kreuzigungsbildstock steht abseits der Alten Straße an einem Weg, der nicht so richtig weiterführt. Für einen Bildstock, der aufgestellt wird, um an bedeutenden Stelle die Vorbeigehenden zu gemahnen, eine sehr abseitige Lage. Ebenso unklar die Herkunft des Feldkreuzes (Sühnekreuz) im Forstgrund, da dieser Weg bisher als Weg in den Forstwald gilt, aber nicht als ein Weg in Richtung einer Ortschaft. Zudem war früher im Gegensatz zu heute kein direkter Weg von der Alten Würzburger Straße in den Forstgrund hinein. Vielmehr nahm im Bereich der Alten Würzburger Straße der Graben der Edelberghohle den Platz des heutigen Weges, der Abzweigung ein. Nach 1890 wurde die Edelberghohle in diesem Bereich zugeschüttet. Der in den Forstgrund führende Weg zudem so raffiniert hohlwegartig angelegt, dass man beim Laufen auf dem Forstgrundweg glaubt, er wäre schon immer so gewesen! Da muß man schon genauestens hinschauen, nachschauen wie auf einmal die Edelberghohle den Geist der Hohle durch Aufschüttung, Zuschüttung plötzlich aufgibt, was es sonst in der Landschaftsbildung so nicht gibt. Wichtig ist hierbei auch, alte Pläne zu Rate zu ziehen, da auf diesen klar abgebildet ist, dass der Weg im Forstgrund in Richtung der Alten Würzburger Straße eine Sackgasse war, ein Weg der nicht mehr weiterführt, ein Weg der nicht an der Alten Würzburger Straße ankommt.


Mit Hendrik Beierstettel diskutiere ich oft über alte Wege, Hohlwege, alte Straßen, Geleitwege. Einen alten Planauszug aus der Grünsfelder Chronik von 1569: Die zwischen Büscheme und Grünsfeld strittigen Äcker (Elmar Weiß: Geschichte der Stadt Grünsfeld. Herausgegeben von der Stadtverwaltung Grünsfeld 1981, Seite 253) konnten wir wegen des schwierigen Darstellungsstiles nur wenig interpretieren. Auffällig aber war die Kennzeichnung als Impfinger Weg. Manchmal braucht es länger, bis einem da die Erkenntnis trifft, dass dieser Weg, der fast parallel zum Paimarer Pfad die Ackerflächen vom Rödersteingraben hoch zum Moosig, führt, der Weg von Grünsfeld nach Impfingen ist. Man sieht halt doch auf der eigenen Gemarkung vieles mit der Büschemerischen Brille. Und dass ein Weg auf Büschemer Gemarkung nicht zentral auf den Stadtkern zielt, muß man auch erst mal verstehen. Der Gewannnamen Impfinger Steige gab zudem wichtige Hilfe bei der Einordnung. 


Am Moosig treffen sich Impfinger Weg und Paimarer Steige, führen nun an den Forstanfang auf der Höhe und die Alte Straße. Nun kommt möglicherweise der Impfinger Weg zu seiner sehr wichtigen Bedeutung für Büscheme. Beim Abzweig zum Kreuzigungsbildstock (Judenbildstock). Wenn der Kreuzigungsbildstock am Impfinger-Grünsfelder Weg stand. Wird also auch möglicherweise eher von Grünsfeldern oder Impfingenr aufgestellt worden sein. Vom Bildstock ging es dann runter in den Forstgrund. Und nicht irgendwie weiter in Richtung des Forstes. Im Forstgrund findet der Weg das Feldkreuz. Wenn hier Verkehr war von Grünsfeld nach Impfingen und umgekehrt, dann kann es hier auch einen Vorfall, wohl einen tödlichen, gegeben haben. Denn dieser ist Anlaß, ein Sühnekreuz aufzustellen. Das wäre von der Forsthöhe herunter in den Forstgrund allerdings erst die denkbare, nachvollziehbare Wegalternative 1! Allerdings ist noch nicht klar, welcher Weg genau vom Bildstock zum Sühnekreuz geführt haben könnte. Zugegeben, ein Schwachpunkt dieser Wegalternativroute 1!


Nun zur Routenalternative 2: Vom Anfang des Forstes (Bereich Alte Würzburger Straße) auf der Forsthöhe zum Forstgrund herunter gab es wohl einen Weg. Möglicherweise den Weg von Grünsfeld nach Impfingen, von Impfingen nach Grünsfeld, also den Grünsfelder Weg, Impfinger Weg. Der über Büschemer Gemarkung teilweise verlief. Eine deutlich erkennbare kleinere Hohlenstruktur könnte auf Nutzung durch Fuhrwerke hinweisen. Der Weg folgt der Gemarkungsgrenze zwischen Büscheme und Großrinderfeld von der Höhe in den Talgrund.


Vor dem Forst führt der Weg dann in Richtung Teufelsloch, zur Grenze der Gemarkung Großrinderfeld - Bischofsheim, dann Großrinderfeld - Impfingen. Damit bekommt auch hier dieser versteckte Weg, mit zahlreichen Grenzsteinen begleitet, seine Bedeutung zurück. Dann verläßt der Impfinger Weg den Waldweg, zieht die zum Teufelslochgrund abfallenden Ackerflächen hoch zum - von Hugo Pahl auf einer von ihm selbst gezeichneten Karte so eingeschriebenen - Lohnweg. Früher als alte Landstraße nach Würzburg bekannten Geleitweg. Von da aus über das Gewann Grünsfelder Weg zum Hohen Weg. Und damit runter nach Impfingen. So konnte man von Impfingen nach Grünsfeld und umgekehrt auf einem Direktweg gelangen.


Nach langer Zeit kehrt der Impfinger Weg / Grünsfelder Weg wieder nach Büscheme zurück. Ist verortbar und verbindet damit auch zwei bisher einsam isoliert steinerne Wegzeugen. Das Kreuzigungsbild und das Sühnekreuz. Möglicherweise.



Impfinger Weg / Grünsfelder Weg hier mit der Wegvariante vom Forst über den Judenbildstock herunter in den Forstgrund. Oder der Weg folgte von der Forsthöhe herunter der gestrichelten Waldgrenze des Forstes, die auch gleichzeitig Gemarkungsgrenze zwischen Büscheme und Großrinderfeld ist. Hier deutet eine Bodenvertiefung frühere Personengänge bzw. Transporte an


Blick im Rödersteingraben Richtung Impfinger Steige


Impfinger Weg / Impfinger Steige



Impfinger Weg zieht zum Forstanfang zur Alten Straße hoch


Sühnekreuz am Paimarer Weg


Kreuzigungsbildstock von 1666






Dass der Grünsfelder-Impfinger Weg aus dem Forstgrund heraus seinen Weg am Waldrand des Forstes zur Alten Würzburger Straße nahm, deutet sehr eindeutig die erkennbare Hohle an, die unteren Bereich sichtbar, teilweise auch mit Gesträuchabschnitt, Ästen, Bäumen, Steinen aufgefüllt: